The Starking / Jingrui SK 1813-S

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Starking? Nie gehört! Ich auch nicht, bis vor einiger Zeit Uhren dieses chinesischen Herstellers immer wieder in einem amerikanischen Uhrforum auftauchten.

Starking Watch ist eine Marke der Xinghuang Watch Co. aus Shenzhen in China. Gegründet wurde sie 1992 oder 93 (je nach Quelle). Zur selben Firmengruppe gehört die Shenzhen Jingrui Movement Co. Ltd., kurz Jingrui, die zur Herstellung von Uhrwerken gegründet wurde (je nach Quelle 2005 oder erst 2013/2014).

Man kann also bei Starking durchaus von Inhouse-Werken sprechen. Wie wir später noch sehen werden, hält sich die eigene Entwicklungsleistung von Jingrui aber eher in Grenzen.

Nähern wir uns also dem Werk durch das Entfernen des Bodendeckels. Die goldfarbene Rosette ist schon mal nicht Bestandteil des Werkes, sondern auf das Bodenglas aufgedruckt.

So sieht das Werk dann nach dem Ausbau aus:

Unter der Unruh ist die Beschriftung SK zu sehen, die vermutlich für Starking steht.

Hier kurz zusammengefasst die technischen Daten des Werkes:

  • Durchmesser 11 1/2”’ (26,0 mm)
  • Höhe 5,18 mm
  • Automatik, einseitig aufziehend, Handaufzug möglich
  • Indirekte Zentralsekunde mit Sekundenstopp
  • Datum bei 3 Uhr (schnellschaltend bei mittlerer Kronenstellung)
  • 25 Steine
  • Unruhfrequenz 28.800 A/h (Halbschwingungen pro Stunde)
  • Stoßsicherung ähnlich KIF Ultraflex
  • Gangreserve ca. 35 Stunden
  • Hergestellt vermutlich seit 2017

Der Suffix -S der Werksbezeichnung SK 1813-S steht für die silberne Farbe des Werkes. Entsprechend gibt es auch ein goldfarbenes SK 1813-G. Außerdem ein SK 1836-S und ein SK 1836-G mit Tag- und Datumanzeige.

Beim Zerlegen des Werkes fällt sofort auf, dass die Schrauben beim Zusammenbau nicht sehr sorgfältig behandelt wurden:

Unter dem Rotor kommt eine 3/4-Brücke zum Vorschein, unter der nicht weniger als sechs Achsen von Bauteilen untergebracht sind. Ein Teil davon gehört zur Automatik, die hier ins Werk integriert wurde, während sie z. B. beim ETA 2824-2 als extra Modul auf das Basiswerk aufgesteckt wird.

Der Rücker der Unruh hat leider keinen Stiel und keine andere Feinverstellung, sodass das Regulieren des Werkes eher mühsam ist.
Auch der große Lagerstein für das Federhaus fällt auf der Brücke sofort auf.

Unter der 3/4-Brücke sieht es so aus:

Hier sind zwei Kraftstränge zu sehen:

a) Gehwerk (grün):
Federhaus (FH) -> zentrales Minutenrad -> Kleinbodenrad (KB) -> Sekundenrad (SR) -> Ankerrad (AR)

b) Automatikaufzug (blau):
Rotor -> Klinkenrad (KR) -> Aufzugsrad (AR) -> Federhaus (FH)

Das Sekundentrieb (ST) der indirekten Zentralsekunde im Zentrum des Werkes wird vom Kleinbodenrad (KB) angetrieben (gelb).

Das im folgenden Bild mit SS bezeichnete kupferfarbene Teil ist der Sekundenstopp, dessen Ende (roter Kreis) beim Ziehen der Krone in die Position zum Zeigerstellen gegen die Unruh drückt und das Werk damit anhält.

Neben dem Sekundenstopp befindet sich das Gesperr des Werkes, das ein Zurückdrehen der Feder beim Aufzug verhindert.

Die Sperrklinke greift hier in das Klinkenrad ein. Bei einem traditionellen Werkaufbau greift die Sperrklinke dagegen in das Sperrrad neben dem Kronrad.

Auch auf der Rückseite der Brücke sind Teile untergebracht:
Links oben ein Rad, das bei einem traditionellen Werkaufbau die Funktion des Sperrrades hätte. Und in der Mitte eine Feder, die von oben etwas Druck auf das zentrale Sekundentrieb ausübt, um ein Ruckeln des Sekundenzeigers zu verhindern.

Werfen wir noch einen Blick auf die Zifferblattseite nach dem Entfernen der Datumhalteplatte und des Datumrings.

Die zwei Räder auf der Rückseite der Halteplatte gehören zur Datumschnellschaltung, ebenso wie der Datumkorrektur (DK) im folgenden Bild.

Der Datummitnehmer (DM) schaltet alle 24 Stunden die Datumscheibe weiter, die Datumraste (DR) hält sie dann in Position.
Sehr schön: es gibt keine kleinen fliegenden Federn, die verloren gehen könnten. Das gilt für das ganze Werk.

Das Werk ist übrigens mehr als reichlich geölt, sodass Ölflecken an Stellen zu finden sind, wo eigentlich kein Öl hingehört!

Ist das Werk wirklich eine Eigenentwicklung von Jingrui? Wohl nur in kleinen Teilen, da es im Prinzip ein Klon des verbreiteten chinesischen Guangzhou Dixmont DG 2813 (21.600 A/H) bzw. des DG 4813 (28.800 A/h) ist. Und diese wiederum basieren auf dem japanischen Miyota 8215.

Folgende Unterschiede zwischen den Werken konnte ich feststellen:

  • 25 Steine beim Jingrui SK 1813, 22 beim DG 2813
    Einer der zusätzlichen Seine ist der Lagerstein für das Federhaus auf der Brückenseite, zwei weitere befinden sich im Klinkenrad
  • Das Jingrui-Werk ist ca. 0,1 mm niedriger
  • Das Jingrui SK 1813 hat vier Löcher für Zifferblattfüße. Es können Zifferblätter für das Miyota 8215 und für das ETA 2824-2 montiert werden, was die Auswahl sehr groß macht. Beim DG 2813 passen lediglich Zifferblätter des Miyota 8215
  • Das Jingrui SK 1813 hat dieselben Zeigerlochdurchmesser wie das ETA 2824-2 (1,50/0,90/0,25 mm), das DG 2813 hat andere (1,52/1,00/0,17 mm)

Wie sieht es mit den Gangwerten des Werkes aus?

Bei Auslieferung waren diese ausgesprochen schlecht. Mehr als 100 Sekunden pro Tag (s/d) Abweichung und eine Amplitude von nur 180 bis 200 Grad. Auch nach dem Regulieren weist das Werk sehr große Unterschiede von ca. 50 s/d in den verschiedenen Lagen auf. Außerdem große zeitliche Schwankungen in jeder einzelnen Lage von mehr als 20 s/d. Der Abfallfehler liegt zwischen 0,0 und 0,5 ms, also im akzeptablen Bereich.

Ob die schlechten Werte dieses einen Werkes repräsentativ sind oder nur ein Außreiser darstellen, kann ich leider nicht sagen. Zumindest das mir vorliegende Werk ist kein Meisterwerk der Uhrmacherkunst…

 

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