Excelsior Park – Ersatzteile an Bord

Wer sich mit alten Uhren beschäftigt, stolpert häufig über das Problem, dass Ersatzteile für ein defektes Uhrwerk nur schwer oder gar nicht zu finden sind. Insbesondere Uhren ohne Stoßsicherungen haben oft gebrochene Unruhwellen oder defekte Decksteine.

Da wäre es doch ganz praktisch, wenn die Uhr die wichtigsten Ersatzteile selbst mitbringen würde! Leider bekomme ich für diese Idee keinen Preis, da die Firma Les Fils de Jeanneret-Brehm aus Saint-Imier in der Schweiz bereits vor fast 100 Jahren denselben Einfall hatte. Natürlich hat sie sich darauf auch entsprechende Patente erteilen lassen, nämlich das Patent CH100230 von 1922 in der Schweiz und DE388992, ebenfalls 1922, in Deutschland:

Es beschreibt einen Kloben für eine Taschenuhr, der als Behälter für kleine Ersatzteile dient:

Die ganz oben abgebildete Stoppuhr von Excelsior Park enthält einen solchen Kloben mit Ersatzteilen.

Excelsior Park und Les Fils de Jeanneret-Brehm sind identisch, es hat sich lediglich der Firmenname geändert. Das Werk ist ein Excelsior Park 1, auch Kaliber B No. 3364 genannt. In der Classification Horlogère von 1939 wird es als Kaliber B No. 3664 verzeichnet, im Schweizer von 1949 als Kaliber 1.

Sofort fallen die auf der Federhausbrücke punzierten Patentnummer auf:
No. 3364, D.R.P. 388992, No. 100230. Die zwei Patente DE388992 und CH100230 wurden oben bereits erwähnt, da sie sich direkt auf den Ersatzteil-Behälter beziehen. Das Schweizer Patent CH3364 ist älter, nämlich von 1891 und beschreibt einen Chronographen-Mechanismus.

Auch der Kloben mit den Ersatzteilen birgt einen Hinweis auf seinen Inhalt:
SPARE PARTS IN HERE:

Bei ähnlichen Stoppuhren und Chronographen von Excelsior Park gibt es vergleichbare Hinweise, teils sogar mehrsprachig:

Hier unten Ersatzstücke:

PIECES DE RECHARGE / SPARE PARTS – ERSATZTEILE / PIEZAS DE RECAMBIO:

CI-DESSOUS FOURNITURES DE RECHANGE / HIERONDER RESERVEDEELEN:

Dann schauen wir uns die Ersatzteile doch mal an. Zuerst den Unruhkloben abschrauben, umdrehen und das dünne Abdeckblech abheben:

Da finden sich immerhin sieben Ersatzteile. Leider bin ich nicht sicher, ob diese so vollständig sind!

Wo gehören diese Teile am Werk hin?
Die Nummer 1 ist eine Unruhwelle, die 4 ein Decksteinplättchen für die Unruh. Nummer 2 ist eine Feder für den gebogenen Bügel zur beweglichen Lagerung des Kronrades, Nummer 3 eine Klinkenfeder.

Die Schraube 6 und die Klammer 7 sind die Befestigung für das Sekunden- bzw. Minutenherz.

Und die Nummer 5 ist eine Schraube zur beweglichen Befestigung des Herzhebels bzw. des Sekundenstopps.

Also alles Teile, die entweder leicht kaputtgehen, beim Reparieren schnell mal verschwinden (dünne Federn) oder schwer zu beschaffen sind (Schraube mit Absatz).

Excelsior Park blieb nicht der einzige Hersteller, der Uhren mit Ersatzteilbehälter herstellte. Auch die Firma Leonidas ließ sich 1929 im Schweizer Patent CH131402 eine leicht abgewandelte Variante schützen. Bei dieser ist eine Vertiefung für die Ersatzteile in die vorhandenen Brücken integriert und die Ersatzteile sind von oben zugänglich. Die Werke, die ich bisher gesehen habe, hatten auch einen von oben durchsichtigen Deckel:

Durchgesetzt haben sich diese Ersatzteilbehälter leider nie. Zum einen haben Uhren- bzw. Werkehersteller nur ein bedingtes Interesse daran, Ersatzteile kostenlos vorab zu liefern, zum anderen gab es Jahrzehnte lang einen Wettkampf der Hersteller um den Bau immer flacherer Werke. Da findet natürlich irgendwann ein extra Behälter für Ersatzteile keinen Platz mehr. Schade eigentlich…

 

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