Citizen 6000 – Automatik mit Satellitenrad-Wechsler

Heute gibt es keinen kompletten Spaziergang durch die Funktionsweise eine Uhrwerkes, sondern einen gezielten Fokus auf die beidseitig aufziehende Automatik eines Citizen 6000.

Die abgebildete Uhr von Citizen stammt von 1971, ist also schon 50 Jahre alt! Das Automatikwerk Kaliber Citizen 6000 wurde ab 1966 gebaut.

Bevor wir mit dem eigentlichen Thema starten, zunächst ein paar technische Daten des Werkes:

  • Anzeige von Stunden, Minute, Zentralsekunde (ohne Sekundenstopp), Datum mit Schnellschaltung
  • Automatik, beiseitig aufziehend, Handaufzug möglich
  • Durchmesser 10 1/2“‘ (Linien) = 23,3 mm, Höhe 5,0 mm
  • 21.600 Halbschwingungen/Stunde (A/h)
  • Ankerhemmung
  • 17 Steine (es gibt auch eine Variante mit 21 Steinen)
  • Glucydur-Unruh
  • Stoßsicherung: Citizen Parashock 1

Aus derselben Werkfamilie gibt es auch ein Kaliber 6500 mit Automatik, Tag und Datum sowie ein Kaliber 6080 mit Handaufzug und ohne Tag bzw. Datum. Außerdem die Kaliber 6001 und 6501, bei denen im Vergleich zum 6000 bzw. 6500 ein paar Teile abgeändert wurden. Meines Erachtens aber nicht immer zum Besseren, da z. B. der Datummitnehmer aus Metall durch ein Kunststoffteil ersetzt wurde.

Citizen-Werke sind leider in den meisten Fällen keine Augenweide – dafür sind sie zuverlässig wie ein Traktor.

Schauen wir uns nun also die Automatik des Citizen 6000 näher an. Zuerst muss der Rotor abgenommen werden.

Der Rotor ist kugelgelagert, auf der Rückseite sieht man den Zahnkranz der in das Reduktionsrad oben im Bild bei 6 Uhr eingreift.

Bei diesem Werk ist die Automatik nicht als Modul ausgeführt, das man getrennt vom restlichen Werk abnehmen kann, so wie es z. B. beim ETA 2824-2 der Fall ist. Hier ist sie direkt in das Werk integriert. Wir müssen also das oben erwähnte Reduktionsrad und das Sperrrad –  das große Rad bei ca. 3 Uhr – entfernen, um die kombinierte Räderwerk- und Federhausbrücke abnehmen zu können.

Reduktionsrad – Rückseite

So sieht es dann darunter aus:

Zur Automatik gehören neben dem Zahnkranz am Rotor vier Räder (im Bild zwischen ca. 4 und 6 Uhr), die letztlich das Sperrrad drehen und so die Feder aufziehen. Im nächsten Bild wurde das Sperrad auf das Federhaus aufgelegt, um den Kraftfluss zu verdeutlichen. Natürlich liegt dieses normalerweise oberhalb der entfernten Brücke!

  1. Reduktionsrad
  2. Umstelltrieb
  3. Satellitenrad-Wechsler
  4. Antriebsorgan
  5. Sperrrad

Die grüne Linie zeigt den Kraftfluss für den Fall, dass sich der Rotor gegen den Uhrzeigersinn dreht, die blaue Linie entsprechend den Kraftfluss, wenn der Rotor sich im Uhrzeigersinn dreht. Die gestrichelten Linien zeigen den Kraftfluss innerhalb des Satellitenrad-Wechslers (Teil 3). Mehr zum Kraftfluss etwas weiter unten!

So sehen die Teile 2 und 3 in der Seitenansicht aus:

Das Umstelltrieb hat also oben und unten ein Trieb, der Satellitenrad-Wechsler ist aus mehreren Ebenen aufgebaut. Letzterer ist sozusagen das Herzstück der Automatik, da er dafür sorgt, dass sich das Antriebsorgan immer in dieselbe Richtung dreht, unabhängig davon, ob sich der Rotor links- oder rechtsherum dreht. Er ist also verantwortlich für den beidseitigen Aufzug des Werkes.

Leider lässt sich der Satellitenrad-Wechsler nicht zerstörungsfrei öffnen. Hier habe ich ein Exemplar aus einem anderen Werk geopfert:

Anhand der Form des inneren Rades kann man leicht erahnen, dass die zwei kleinen Satellitenräder dieses in die eine Drehrichtung blockieren und in die andere nicht. Der Satellitenrad-Wechsler ist aus zwei Ebenen dieser Räderkomination aufgebaut. Jede Ebene funktioniert also wie ein Klinkenrad, das man aus anderen Automatikwerken kennt. So hat das ETA 2824-2 zum Beispiel zwei Klinkenräder.

Der Satellitenrad-Wechsler dient übrigens auch der Entkopplung des Handaufzuges vom Automatikaufzug. Beim Handaufzug dreht sich das Sperrrad, sodass sich dadurch auch die zur Automatik gehörenden Räder drehen. Ohne Entkopplung würde sich beim Handaufzug der Rotor immer mitdrehen.

Schauen wir uns noch an, wie sich die Räder der Automatik in Abhängigkeit der Drehrichtung des Rotors drehen:

In diesem Video sieht man, dass sich das Sperrrad unabhängig von der Drehrichtung des Reduktionsrades immer nach rechts dreht und so die Zugfeder spannt:

Und wer hat’s erfunden? Genau, die Schweizer! In diesem Fall die Firma Omega. Das Schweizer Patent CH308940 von 1955 beschreibt die Details des Satellitenradwechslers, allerdings wird er dort genutzt, um die Uhr manuell oder über eine einseitig aufziehende Automatik aufzuziehen. CH308939, ebenfalls von 1955, beschreibt die Anwendung auf eine beidseitig aufziehende Automatik. Das nächste Bild zeigt einen Ausschnitt aus CH308940.

Ausschnitt aus dem Omega-Patent CH308940

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