Das Longines 6942: Sekundenstopp bei 12 Uhr

Viele Uhrwerke haben einen Sekundenstopp. Dieser sorgt beim Ziehen der Krone in die Position zum Zeigerstellen dafür, dass der Sekundenzeiger stehen bleibt. Damit lässt sich die Uhrzeit sekundengenau einstellen. Beim Ziehen der Krone bleibt der Sekundenzeiger natürlich da stehen, wo er sich gerade befindet.

Ganz anders beim Longines 6942. Hier läuft er immer bis zur 12 Uhr-Position weiter und bleibt exakt dort stehen.

Verbaut wurde das Werk von Longines ab 1974 z. B. in den Modellen Admiral HF und Conquest. Mein Werk kam ohne Gehäuse zu mir, dieses ist vermutlich einem Goldschmelzer zum Opfer gefallen.

Die technischen Daten des Werkes:

  • Anzeige von Stunden, Minute, Zentralsekunde
  • Handaufzug
  • Gangreserve ca. 40 Stunden
  • 17 Steine
  • Durchmesser 12 1/2´´´ (Französische Linien) = 28,2 mm, Höhe 3,85 mm
  • 28.800 Halbschwingungen/Stunde (A/h)
    Für die damalige Zeit war dies ein „Schnellschwinger“
  • Schweizer Steinankerhemmung
  • Glucydur-Unruh, Spirofin-Feinregulator
  • Teil der Werkfamilie Longines 69xx, die auch Varianten ohne Sekunde, mit kleiner Sekunde, mit Datum sowie mit Tag und Datum umfasst

Schauen wir uns nun also an, wie Longines den Sekundenstopp realisiert hat. Zuerst ein Blick auf die Zifferblattseite:

In der rot markierten Öffnung sieht man einen kleinen Hebel, der sich beim Ziehen der Krone bewegt (rechtes Bild). Mehr ist von dieser Seite leider nicht zu erkennen. Also werfen wir einen Blick unter die Räderwerkbrücke auf der Brückenseite des Werkes:

Hier ist der Hebel besser zu erkennen. Er liegt direkt über dem Sekundenrad. Das hier allerdings keinen Sekundenzeiger trägt, da das Werk über eine indirekte Zentralsekunde verfügt, deren Sekundentrieb vom Kleinbodenrad angetrieben wird.

Noch etwas mehr sieht man, wenn man das Kleinbodenrad und die Federhausbrücke ebenfalls entfernt:

Im linken Bild ist die Krone gedrückt und der Zapfen der Aufzugswelle drückt an der rot markierten Stelle den rechten Arm des Hebel nach unten. Entsprechend liegt der linke Arm des Hebels nahe dem äußeren Rand des Sekundenrades.

Im rechten Bild ist die Krone gezogen, der Zapfen der Aufzugswelle drückt dann nicht mehr gegen den rechten Arm des Hebels. Eine dünne Feder an der Außenseite des linken Armes drückt diesen in Richtung der Mitte des Sekundenrades. Das Sekundenrad läuft noch solange weiter, bis der Hebel an der „Nase“ auf dem Sekundenrad hängen bleibt. An dieser exakt definierten Stelle bleibt das Uhrwerk also stehen.

Eine recht einfache Lösung für den Sekundenstopp bei 12 Uhr! Durchgesetzt hat sich diese Technik aber nie. Meines Erachtens aus folgenden Gründen:

  • Der Vorteil gegenüber dem klassischen Sekundenstopp ist in der Praxis überschaubar. Auch mit diesem kann man die Sekunde ziemlich genau bei 12 Uhr stoppen. Und auf die Zehntelsekunde kommt es bei einer mechanischen Uhr ja kaum an.
  • Das Setzen des Sekundenzeigers ist sehr mühsam. Aufgrund des indirekten Antriebs der Zentralsekunde hat das Sekundentrieb minimales Spiel. Beim Aufsetzen des Sekundenzeigers führt das zu leichten Verschiebungen, sodass dieser beim nächsten Stopp nicht wieder exakt bei 12 Uhr steht, sondern knapp daneben. Ich habe bestimmt 20 Versuche gebraucht, bis ich das Video oben drehen konnte.

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