Heute begebene ich mich ein weiteres Mal auf Glatteis. So wie in meinem Artikel über das Ölen von Uhrwerken. Wie beim Ölen hat auch jeder Uhrmacher und jeder Uhrenbastler seine eigene Philosophie, wenn es um das Reinigen von Uhrwerken geht. Ich beschreibe hier eine Variante, die sich für mich als Hobbyist seit vielen Jahren bewährt hat. Sie erhebt keinerlei Anspruch auf Allgemeingültigkeit!

Profi-Uhrmacher vs. Hobbyist
Es gibt ein paar wesentliche Unterschiede zwischen Profi und Bastler, wenn es um das Reinigen von Uhrwerken geht.
Ersten muss der Profi zeitsparend und wirtschaftlich arbeiten, während dies beim Bastler keine Rolle spielt. Aus diesem Grund wird der Profi eine vollautomatische Uhrenreinigungsmaschine erwerben, mit der er idealerweise mehrere Uhrwerke gleichzeitig reinigen kann. Diese Geräte kombinieren meist eine Ultraschallreinigung mit mechanischer Bewegung (Rotation und/oder Vibration), ggf. inklusive Erwärmung, und gehen bis zur Trocknung der Werke und zur Aufbereitung der Reinigungslösung.
Wir sprechen hier allerdings von Anschaffungskosten im oft fünfstelligen Euro-Bereich.

Zweitens nutzen Profis meist keine wässerigen Lösungen zur Reinigung, sondern brennbare Lösungsmittel, die fachgerecht eingesetzt und entsorgt werden müssen. Sie verhindern mögliche Korrosion durch verbleibendes Wasser und trocken schneller ab. Der Hobbyist wir eher versuchen, den Einsatz von Lösungsmitteln zu minimieren oder ganz zu vermeiden.
Und drittens können Profis, wenn sie zur Reinigung keine wässerigen Lösungen einsetzen, die Uhrwerke unzerlegt bzw. teilzerlegt reinigen. Wenn im Werk kein Defekt und keine Abnutzung vorliegen, beschleunigt das den Revisionsvorgang natürlich erheblich, da das Werk nicht zerlegt und zusammengebaut werden muss, sondern direkt nach dem Reinigen geölt und reguliert werden kann.
Ich zerlege die Werke stets. Nicht nur wegen dem Einsatz eines wässerigen Reinigungsmittel, sondern weil ich mögliche Fehler möglichst frühzeitig erkennen möchte.
Reinigen für Hobbyisten- eine von vielen Möglichkeiten
Außer den großen Reinigungsmaschinen für Profis gibt es natürlich auch kleinere Varianten. Und für Bastler die Möglichkeit, ältere Geräte aus Uhrmacherbetrieben zu erwerben. Auch kreative Eigenbauten gibt es in zahlreichen Varianten.
Mir persönlich sind solche Geräte zu groß, außerdem würden sie bei mir zu selten zum Einsatz kommen. Mein persönlicher Ansatz basiert daher auf einem handelsüblichen kleinen Ultraschallreiniger, der zuhause auch für allerhand andere Einsatzzwecke genutzt werden kann. Ein Fassungsvermögen von etwa 500 ml reicht völlig aus.

Ich reinige die Uhrwerkteile mit Elma Red 1:9. Dieses hat für den Hobby-Uhrenbastler den Vorteil, dass es eine wässrige Lösung ist, die man mit dem Abwasser entsorgen darf. Ein Teil der Elma-Lösung wird mit neun Teilen lauwarmem Wasser gemischt und ins Ultraschallgerät gegeben.
Die Werkteile werden nicht direkt in das Gerät gelegt, sondern in kleine Drahtkörbe, in der zueinander gehörende Teile durch Stege voneinander getrennt werden.

Diese können auch in einer Halterung gestapelt werden:

Zum Start tun es auch ein paar Teesiebe!
Was kommt in die Ultraschallreinigung und was nicht?
- Lackierte bzw. mit Farbe beschriftete oder beschichtete Teile gehören nicht in die Reinigung. Dazu gehören z. B. Zifferblätter, Zeiger mit Leuchtstoffen und Datumscheiben.
- Werkteile aus Kunststoff reinige ich sicherheitshalber von Hand, da die Reinigungslösung den Kunststoff eventuell angreift.
- Ich lege auch die Unruh und den Anker ins Ultraschallbad. Theoretisch besteht die Gefahr, dass sich die Schelllackbefestigung der Ankerpaletten oder der Ellipse löst. In der Praxis war dies bei mir noch nie der Fall. Ich vermute, dass die Leistung der kleinen Ultraschallgeräte dafür viel zu gering ist. Bei großen Industriegeräten kann ich es mir aber vorstellen.
- Auch die Zugfeder kommt bei mir ins Ultraschallbad. Dazu wird sie immer aus dem Federhaus entnommen.
- Alle anderen Werkteile wie Räder, Brücken, Schrauben, das Federhaus etc. kommen natürlich in den Ultraschallreiniger.
Die Teile verbleiben etwa fünf bis zehn Minuten im Ultraschall, abhängig vom Grad der Verschmutzung. In dieser Zeit bewege ich die Körbe bzw. das ganze Gerät gelegentlich ein wenig hin und her, um auch eine mechanische Bewegung zu erzeugen. Danach werden die Teile zuerst mit normalem Leitungswasser gespült und dann mit destilliertem Wasser. Schließlich werden die Teile einfach mit Papier von der Küchenrolle abgetupft. Diese sollte aber eine gute Qualität haben und nicht fusseln.
Teile, in denen eventuell Wasser verbleiben kann, landen schließlich noch für etwa drei Minuten in einem kleinen Glas mit Elma SUPROL PRO, einem Lösungsmittel, das Wasser verdrängt. Dies sind meist die Unruh, der Unruhkloben sowie die Basisplatine. Nach dem Entfernen aus dem Glas verdunsten die Reste auf den Teilen sehr schnell und meist rückstandsfrei (Fenster aufmachen!). Ein fusselfreies Tuch entfernt die Reste, die eventuell als leichter Schleier sichtbar sind.
Elma Suprol darf nicht im Abfluss entsorgt werden! Es sammeln sich aber nur sehr kleine Mengen an, die beim Wertstoffhof abgegeben werden können.
Ich lasse die Teile dann meist sicherheitshalber einen Tag bei Raumtemperatur trocknen.
Zusammenbauen, Ölen und Regulieren nach dem Reinigen

Das Zusammenbauen des Werkes erfolgt einfach in umgekehrter Reihenfolge des Zerlegens. Bei etwas komplizierten Werken, etwa Chronographen, lohnt es sich, beim Zerlegen jeden Schritt zu fotografieren!
Zum Ölen habe ich hier meine persönliche Präferenz beschrieben: Das Ölen von Uhrwerken.
Und zum Abschluss muss das Werk natürlich reguliert werden: Regulieren eines Uhrwerkes für Anfänger.