Terrasse Watch – Geschichte und Uhrwerke

Der Schweizer Uhrenhersteller La Terrasse Watch ist weitgehend unbekannt. Da dieser auch eigene Uhrwerke entwickelt und hergestellt hat, lohnt es sich, das wenige Bekannte hier zusammenzutragen.

Zifferblatt einer Taschenuhr H. H. W. Co. PRESIDENT mit Uhrwerk der Terrasse Watch

Die Geschichte der Firma

Das Gründungsdatum der Firma konnte ich nicht eindeutig feststellen. Einige Quellen geben an, dass die Firma 1881 von den Brüdern Bernard und Gustave Jacot gegründet wurde. Das Schweizerische Handelsamtsblatt (SHAB), über das sich viele Firmengründungen und -veränderungen nachvollziehen lassen, wurde leider erst 1883 gegründet. So konnte ich nicht herausfinden, ob die Firma von Bernard und Gustave Jacot damals bereits den Namen La Terrasse trug.

Der erste gesicherte Nachweis des Namens La Terrasse findet sich im Dezember 1901 im SHAB:

Gustave Jacot und Charles Jeanneret haben am selben Tag ihre eigenen Firmen aufgelöst und zusammen rückwirkend zum 09.11.1901 die Fabrique d’horlogerie de la Terrasse gegründet. Die Leitung übernahm Charles Jeanneret. Über die obigen Angaben zu Gustave Jacot lässt sich im SHAB auch herausfinden, dass seine Firma 1892 aus der Sociéte Jacot Frères hervorging. Diese wiederum wurde 1883 gegründet und hatte ihren Sitz im Viertel Crêt Vaillant in Le Locle in der Fabrique de la Terrasse. Der Begriff La Terrasse lässt sich hier also zumindest bis 1883 zurückverfolgen, wenn auch nicht als Firmenname.

Bereits 1902 ließ sich die Fabrique d’horlogerie de la Terrasse die folgenden Bildmarken eintragen, darunter TERRASSE und TUNNEL. Ein Teil der Marken wurde von Gustave Jacot bzw. Charles Jeanneret an die neue Firma übertragen.

Eine weitere Bildmarke, PRIMAX, wurde 1911 eingetragen:

Und erst 1924 folgten die Marken NORØNNA und SVEA:

1909 wurde die Firma in Fabrique d’horlogerie de la Terrasse, Watch Co. umbenannt. Und 1918 dann in Terrasse Watch Co. S. A. Gleichzeit wurde der Geschäftszweck rund um die Uhrmacherei um „ähnliche Artikel und Kleinmechanik“ erweitert. 1922 teilte die Firma mit, dass ihr Verwaltungsrat aus immerhin sieben Personen bestand. Unter anderem aus Alfred, Henri und Paul Pister. Der Name Pfister wird uns gleich noch einmal begegnen!

Anscheinend war die Firma durchaus erfolgreich, hatte sie doch um 1925 ein ansehnliches Firmengebäude:

Firmengebäude der Terrasse Watch Co. S: A. ca. 1925 [Quelle unbekannt]

Auch die Wirren des zweiten Weltkriegs scheint die Firma gut überstanden zu haben. Im Dezember 1944 meldet das SHAB, dass die Terrasse Watch Co. S.A. eine Stiftung zum Wohl ihrer Mitarbeiter und deren Familien ins Leben gerufen hat:

Diese Stiftung wurde erst 1974 wieder aufgelöst.

1947 gibt es einen sehr interessanten Eintrag im SHAB: am selben Tag haben die Firmen Terrasse Watch Co. S.A. und H. Moser & Cie. S.A. den folgenden Personen jeweils gemeinschaftliche Prokura erteilt: Paul-Vital Perrenoud und Jean-Eric Pfister. Im Gegensatz zur Terrasse Watch ist H. Moser eine sehr renommierte und bekannte Firma.

1952 gab es erneut Informationen zum Verwaltungsrat der Terrasse Watch Co. Henri Pister wird zum Präsidenten, Eric Pfister (vermutlich Jean-Eric) wird Direktor und Frédéric-Emile Pfister zum Mitglied im Verwaltungsrat. Auch Paul-Vital Perrenoud ist mit dabei. Gleichzeitig nehmen dieselben Personen die gleichen oder ähnliche Positionen in der Firma H. Moser et Cie. S.A. ein.

Es gab also vermutlich schon längere Zeit intensive Geschäftsbeziehungen zwischen H. Moser und der Terrasse Watch Co. Bei der Vorstellung der Uhrwerke werden wir sehen, dass H. Moser auch Werke der Terrasse Watch verbaut hat.

Erst 35 Jahre später, also 1987, gibt es einen erneuten Eintrag im SHAB. Und er betrifft sowohl die Terrasse Watch Co. also auch H. Moser & Cie. Beide Firmen sind demnach zusammen mit weiteren Uhrenherstellern in die Zenith Internationale S. A. integriert worden:

Formal aufgelöst wurde die Terrasse Watch Co. S.A. dann im Dezember 1988. Erstaunlich, dass diese Firma etwa 100 Jahre existierte und dennoch fast unbekannt blieb.

Die Uhrwerke

Werfen wir nun einen Blick auf die Uhrwerke der Terrasse Watch Co. Auch deren Design wurde, zumindest teilweise, im SHAB registriert.

Das erste Werk ist 1911 als Modell Nr. 165 verzeichnet. Warum die Firma ausgerechnet die Nummer 165 gewählt hat, wird vermutlich ein Rätsel bleiben, da das SHAB hier keine Vorgaben gemacht hat. Abgebildet ist die Savonnette-Variante. Es war damals üblich, nur die Lépine oder die Savonnette zu zeigen, die jeweils andere Variante war damit implizit ebenfalls registriert.

In meiner Sammlung befindet sich die Lépine-Variante des Modells Nr. 165. Es hat einen Durchmesser von 19´´´ (französische Linien), eine Steinankerhemmung, 15 Steine und eine kleine Sekunde.

Am selben Tag hat die Firma auch noch die Räderwerkbrücke und den Ankerradkloben des Modells Nr. 165 als Modelle Nr. 166 und 167 registriert:

Das folgende Lépine-Werk ist mit dem Modell Nr. 165 technisch weitgehend identisch, hat aber andere Brückenformen. Im SHAB konnte ich keine Registrierung dazu finden.

1912 folgte die Registrierung des Werkes Modell Nr. 1 und der zugehörigen Minutenradbrücke als Modell Nr. 2. Warum es hier plötzlich mit der Nummer 1 weiterging, wird ebenfalls ein Rätsel bleiben.

Von diesem Werk kann ich sowohl die Savonnette- als auch die Lépine-Variante zeigen. Beide haben einen einen Durchmesser von 19´´´, eine Steinankerhemmung, 16 Steine und eine kleine Sekunde. Bei der Lépine-Version ist der Minutenradstein in ein verschraubtes Chaton gefasst.
Auf der Brückenseite des Savonnette-Werkes (oberes Bild) ist übrigens das Logo von H. Moser zu sehen, leider nur schemenhaft.

Einen interessanten Eintrag zur Terrasse Watch Co. findet man im Dezember 1915 im SHAB im Zusammenhang mit der Firma Berner-Deckelmann:

Diese gewährte der Terrasse Watch Co. eine Teillizenz für Uhrwerke, die sie 1914 bzw. 1915 auf ihren eigenen Namen registriert hatte:

Die Ähnlichkeit einiger Werke von Berner-Deckelmann zum Modell Nr. 1 der Terrasse Watch ist ganz offensichtlich. Aber warum vergibt Berner-Deckelmann hier eine Lizenz an die Terrasse Watch und nicht umgekehrt? Möglicherweise hat Berner-Deckelmann mit seinen Uhrwerken die Registrierung der Terrasse Watch verletzt und dieser dann die Lizenz auf die eigenen Werke gewährt, um einem Rechtsstreit aus dem Weg zu gehen. Das ist aber Spekulation!

Die Anzahl der Uhrwerke der Terrasse Watch Co. ist also sehr überschaubar. Aber vielleicht begegnet mir irgendwann eine weitere Variante, die im SHAB nicht verzeichnet ist.

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