Kasper: Uhren und Uhrwerke – Teil 1

Wie bei einigen Hersteller in der Uhren- und Schmuckstadt Pforzheim, begann die Geschichte der 1911 von Karl und Christine Kasper gegründeten Firma Kasper & Co. nicht mit Uhren, sondern mit elastischen Ziehbändern für Uhren. Dieser erste von zwei Artikeln über Kasper & Co. erzählt die Geschichte der Firma, im zweiten Teil geht es dann um deren Uhrwerke.

Werbung für Kasper-Uhrengehäuse [Quelle: Beobachter im Uhrenhandel 1937]

Karl Kasper fiel bereits 1916 im Ersten Weltkrieg, sodass seine Frau Christine die Firmenleitung übernahm und die Firma über Jahrzehnte erfolgreich entwickelte.

Ab 1927 wurden auch Uhrengehäuse und andere Uhrenbänder produziert. Die Entwicklung eigener Uhrwerke mit Zylinderhemmung begann dann 1932. Kasper war damals der erste Hersteller von kompletten Uhrwerken in Pforzheim.

Bereits 1936 bzw. 1940 hat Kasper zwei Logos im Schweizerischen Handelsamtsblatt (SHAB) registrieren lassen:

In den Jahren des Zweiten Weltkriegs musste Kasper vermutlich, wie viele Firmen, für die Rüstung produzieren. Was genau, konnte ich leider nicht in Erfahrung bringen. Interessanterweise wurde die Produktion in dieser Zeit auf die zwei nahegelegenen Orte Ersingen und Bad Liebenzell ausgedehnt.

Das Firmengebäude in Pforzheim wurde im Februar 1945 durch den Krieg vollständig zerstört, der Maschinenpark in Bad Liebenzell als Reparationsleistung nach Kriegsende demontiert. Karl und Christine Kasper hatten allerdings einige Maschinen in das Umland ausgelagert, sodass die Firma Kasper bereits 1946 die Produktion wieder aufnehmen konnte. 1953 wurde dann in Pforzheim ein großer Neubau bezogen.

Emilie Wagner, die Tochter von Karl und Christine Kasper sowie die Frau von Friedrich Wagner, wurde 1952 Teilhaberin der Firma.

Anzeige von Kasper 1950 [Quelle: DIE UHR Nr. 6 1950]

Hier wurden nun Uhrwerke mit Zylinder- und Ankerhemmung, Gehäuse und ganze Armbanduhren hergestellt. Die Zahl der Mitarbeiter verdoppelte sich zwischen 1953 und 1955 von 150 auf 300 und der Export von Uhren ins Ausland gewann immer mehr an Bedeutung.

Exkurs: Emil Kasper & Co.
In einigen Quellen, etwa dem Lexikon der Deutschen Uhrenindustrie, wird berichtet, dass irgendwann der Firmenname von Kasper & Co. in Emil Kasper & Co. geändert wurde. Dafür konnte ich in den Handelsregistern und Werbeanzeigen der Firma keine Hinweise finden. Vielmehr gab es zeitgleich in Pforzheim eine andere Firma namens Emil Kasper & Co., die auf die Herstellung von Koffern und Etuis spezialisiert war!

Auch die Entwicklung eigener Uhrwerke der Kasper & Co. schritt voran: eine Kalenderanzeige mit schneller Verstellung wurde entwickelt, ab 1955 ein erstes Automatik-Werk vorgestellt, 1964 folgte eine zweite Generation von Automatik-Werken.

Zwischen 1958 und 1970 hat Kasper außerdem eine Reihe von Gebrauchsmustern bzw. Patente in Deutschland angemeldet:

  • Gebrauchsmuster DE1765745U (1958): Uhr mit Datumanzeige
  • Gebrauchsmuster DE1913285U (1965): Haltung für Schwingmassen
  • Gebrauchsmuster DE1996486U (1968): Uhr, insbesondere Armbanduhr
  • Gebrauchsmuster DE1996487U (1968): Uhrwerk
  • Patent DE2021241A (1971): Momentschalteinrichtung für die Datum- und Wochentaganzeige von Armbanduhre
  • Patent DE2021242A (1971): Datum-Moment-Schaltung für Armbanduhren

Das Gebrauchsmuster wird auch als „Kleines Patent” bezeichnet und gibt dem Inhaber die gleichen Rechte wie es ein Patent tut. Allerdings ist im Gegensatz zum Patent die maximale Gültigkeitsdauer auf zehn Jahre beschränkt.

Ausschnitt aus dem Gebrauchsmuster DE1765745U
Ausschnitt aus dem Patent DE2021242A

In den frühen 1960ern exportierte Kasper nicht nur Uhren in Ausland, sondern gründete auch in Indien, zusammen mit lokalen Industriellen, die Asika Time Industries Private Ltd. Dort wurden Uhrwerke aus Deutschland zusammengebaut. Leider konnte ich bisher nicht herausfinden, ob diese Uhrwerke dann in Uhren für den indischen Markt verbaut oder zurück nach Deutschland geschickt wurden.

Ausschnitt aus „Die Schweizer Uhrenindustrie in Indien“ in watch around Nr. 011 2011

1962 wurde dazu in der ersten Kammer des indischen Parlaments, der Lok Sabha, eine Anfrage an den Wirtschaftsminister zu Beteiligung fremder Firmen an indischen Uhrenherstellern gestellt. Dieser bestätigte, dass an der Asika Time Industries 50 % ausländisches Kapitel beteiligt sind, allerdings ohne den Namen Kasper zu nennen.

[Quelle: Lok Sabha Debates Third Series, Vol. V, No. 42, 1962]

Kasper hat vermutlich sogar Uhren und Gehäuse in die Schweiz exportiert. Zumindest hat sich die Firma 1973 mit einem entsprechenden Logo für die Edelmetallkontrolle registrieren lassen:

[Quelle: Schweizerisches Handelsamtsblatt 1974]

1964 gründete Emilie Wagner eine Unterstützungskasse für die Angehörigen der Firma Kasper & Co in Form eines Vereins. Dieser wurde 1996 aufgrund des Wegfalls aller Mitglieder aufgelöst. Emilie Wagner trat dann 1965 aus der Firma aus und Gisela, Wolfgang und Peter Wagner, vermutlich die Kinder von Emilie, wurden die neuen Gesellschafter.

Zu Beginn der Quarzkrise um das Jahr 1970 hatte die Firma noch etwa 100 Mitarbeiter und stellte nach eigenen Angaben das damals kleinste mechanische Uhrwerk mit Zentralsekunde her: das Kaliber 1120.

Kasper warb damit, preisgünstige und modische Uhren anzubieten. Die Kollektion wurde häufig um neue Modelle ergänzt.

Kasper-Katalog ca. 1955 (Ausschnitt)
Kasper-Uhr mit Kaliber 1401, 1970er
Kasper-Werbung 1974

Im Jahr 1980 wurde aus der Firma Kasper & Co. die Kasper GmbH & Co., die sich im Besitz der Kasper Beteiligungs GmbH befand. Uhrwerke wurden zu diesem Zeitpunkt wohl nicht mehr produziert. 1993 wurden die Kasper GmbH & Co. und die Kasper Beteiligungs GmbH liquidiert. Einer der ehemaligen Gesellschafter, Peter Wagner, gründete 1993 die Kasper Uhren-Vertrieb-GmbH, die 1999 bereits wieder aufgelöst wurde.

Im zweiten Teil dieses Artikels geht es dann um die Uhrwerke von Kasper & Co.!

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